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Chienbesenumzug in
Liestal

| Der einzigartige Fasnachts- und Feuerbrauch lockt am Sonntag nach
Aschermittwoch gegen 30'000 Zuschauer nach Liestal:
Alle wollen das waghalsige Feuerspektakel des Chienbesenumzuges
bestaunen. Vorbei an der staunenden und zurückweichenden Menge rennen
robuste Burschen und Männer mit den Chienbesen und Feuerwagen im Trab
durch das obere Tor, damit die alten Balken nicht Feuer fangen. Voran
laufen die Fackelträger, Fasnachtscliquen mit Laternen und ganz nach dem
Vorbild von Basel-Stadt, die Trommler und Pfeifer.
Männer in feuerfesten Anzügen tragen bis zu fünzig Kilogramm schwere
brennende Fackeln aus Tannenholz. Zwischen ihnen werden eiserne Wagen
gezogen, die mit Abfallholz gefüllt sind, das ebenfalls lichterloh
brennt. Das Feuer verbreitet in den verdunkelten Gassen einen
gespenstischen Schein. Der gigantische Feuerzauber lässt es in Liestal
zischen und krachen. Damit kein Schadenfeuer entstehen kann, sind in den
Strassen Schläuche ausgelegt und in den Seitenstrassen stehen
Feuerwehrautos auf Pikett. |

| Von Fasnachtsfeuern der Bauern hörte man in Baselland schon im 16.
Jahrhundert. Später waren es Kinder, die auf einer Anhöhe
zusammengetragenes Holz entzündeten. Und immer wieder, besonders während
der Reformation, gab es Verbote. Weil die Chienbesen immer grösser
wurden und unter den Erwachsenen ein eigentlicher Konkurrenzkampf
entstand, wer das grösste Feuer zu entfachen vermochte, schritt 1948 die
Regierung ein und verbot den Brauch wegen Brandgefahr. Am
Eidgenössischen Jodlerfest 1961 in Basel erlebte der Brauch im wahrsten
Sinn des Wortes eine neue Feuertaufe. An einem Nachtumzug wurden die
schönsten Lichterbräuche der Schweiz gezeigt, wobei die Turner aus
Liestal mit ihren Feuerbesen und Feuerwagen für Furore sorgten. Da
wollten die Behörden nicht zurückstehen und hoben das Feuerverbot auf.
Der Brauch findet in der Bevölkerung breite Unterstützung. Aber auch
immer mehr Auswärtige pilgern an diesem Sonntagabend nach Liestal, nicht
zuletzt aus der Stadt Basel, um sich am Vorabend des Morgenstreichs auf
die eigene Fasnacht einzustimmen. |
Mehr über dieses Fest unter
www.chienbaese-verein.ch
Bericht: Peter Burgunder
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